Privacy-Handbuch

Mirror von awxcnx.de, Stand: 2013-05-13
Eine aktuelle Version gibt es hier: privacy-handbuch.de oder bei Wikibooks

Es ist wenig sinnvoll, einen bisher ganz normal genutzten E-Mail Account bei einem Provider mit Datenspeicherung plötzlich anonym zu nutzen. Es haben sich in den letzten Monaten genug Daten angesammelt, die eine Identifizierung des Nutzers ermöglichen.

Der erste Schritt sollte also die Einrichtung eines neuen E-Mail Accounts sein. Eine kleine Liste von privacy-freundlichen E-Mail Providern gibt es im Kapitel über Mozilla Thunderbird.

Man kann den E-Mail Account in der Regel komplett im Webinterface des Providers nutzen. Viele Webseiten bieten jedoch keine sichere HTTPS-Verschlüsselung nach dem Stand der Technik. Sicherer ist die Nutzung eines E-Mail Clients. Außerdem muss man sich nicht durch ein überladenes Webinterface kämpfen, es gibt keine Probleme mit Cookies und Javascript und die OpenPGP Verschlüsselung ist wesentlich einfacher.

Thunderbird-Profil erstellen

Ich empfehle, für anonyme E-Mails Thunderbird mit einem anonymen Profil zu nutzen. Damit vermeidet man den Cookie- und Javascript Trouble der verschiedenen Webseiten und reduziert das Traffic Volumen. Außerdem ist Verschlüsselung mit OpenPGP oder S/MIME möglich.

Ein separates Profil gewährleistet eine konsequente Trennung von nicht-anonymer und anonymer E-Mail Kommunikation. Anderenfalls kommt man bei mehreren Konten schnell einmal durcheinander und gefährdet durch eine hektisch gesendete Mail die Anonymität des Accounts.

Man startet den Profil-Manager in der Konsole bzw. DOS-Box mit der Option -P: > thunderbird -P
Profilmanager von Thunderbird
Es ist ein neues Profil zu erstellen und die Option "Beim Starten nicht nachfragen" ist zu deaktivieren. In Zukunft wird Thunderbird bei jedem Start fragen, ob anonym oder nicht.

Thunderbird-Profil "anonym" konfigurieren

Am einfachsten konfiguriert man das Profil anonym, indem man das Add-on TorBirdy installiert. Am einfachsten installiert man TorBirdy mit dem Add-on Manager von Thunderbird unter "Extras -> Add-ons". Im Suchfeld gibt man "TorBirdy" ein. Ein Klick auf den Button "Installieren" holt das Add-on. Nach der Installation muss Thunderbird neu gestartet werden.
TorBirdy installieren
Das Add-on TorBirdy erledigt folgende Aufgaben: Danach kann man das Add-on Enigmail für die OpenPGP-Verschlüsselung installieren und die Wörterbücher der bevorzugten Sprachen hinzufügen.

OpenPGP Keyserver verwenden

Bei der Verwendung von "JonDo" als Proxy werden auch alle Verbindungen zu den OpenPGP Keyservers anonymisieriert, wenn man die Schlüsselverwaltung von Enigmail nutzt.

Da das TorBrowserBundle keinen HTTP-Proxy mehr enthält, kann man mit Tor keine Keyserver in der Schlüsselverwaltung von Enigmail nutzen. Man kann die Webseite qtt2yl5jocgrk7nu.onion mit dem TorBrowser aufrufen (Tor Hidden Service für keys.indymedia.org). Im Webinterface kann man nach Schlüsseln suchen oder einen eigenen Schlüssel veröffentlichen. Gefundene Schlüssel werden mit der Maus markiert, in die Zwischenablage kopiert und dann in der Schlüsselverwaltung von Enigmail importiert.

Live-CDs wie die JonDo Live-CD/DVD sind in der Regel besser konfiguriert, enthalten einen HTTP-Proxy für Tor und können auch mit "Tor" als Proxy die Keyserver anonym nutzen. Dabei wird ebenfalls der Tor Hidden Service von keys.indymedia.org genutzt.

Hinweise zur Nutzung

Die Anonymisierungsdienste sperren Port "25" für die Versendung von E-Mails aus Gründen des Spam-Schutzes. In der Regel bieten die Provider auch den Port "465" für SSL-verschlüsselte Verbindungen oder den Port "587" für TLS-verschlüsselte Versendung an.

Im Dialog "Konten..." findet man in der Liste links auch die Einstellungen für die SMTP-Server. In der Liste der Server ist der zu modifizierende Server auszuwählen und auf den Button "Bearbeiten" zu klicken. In dem sich öffnenden Dialog ist der Port entsprechend zu ändern.

TorBirdy erzwingt sicher SSL/TLS Verbindungen. Nicht alle E-Mail Provider unterstützen eine sichere SSL/TLS Verschlüsselung nach dem Stand der Technik. Probleme mit Yahoo!, Cotse und AOL sind bekannt. Diese Provider bieten keine Secure Renegotiation, was seit 2009 als schwerwiegender Bug im SSL-Protokoll bekannt ist. Wenn ständig trotz korrekter Konfiguration nur eine Fehlermeldung beim Senden von E-Mails erscheint, dann kann man mit der OpenSSL Bibliothek prüfen, ob eine sicher SSL-Verschlüsselung überhaupt möglich ist: > openssl s_client -connect smtp.aol.com:465
...
Server public key is 2048 bit
Secure Renegotiation IS NOT supported
Compression: NONE
Expansion: NONE
SSL-Session:
    Protocol : TLSv1
    Cipher : DHE-RSA-AES256-SHA
    ...
Sollte Secure Renegotiation NICHT unterstützt werden, kann man sich nur einen neuen E-Mail Provider suchen.

Tor und Spam-Blacklisten (DNSBLs)

Viele große E-Mail Provider sperren Tor-Nodes bei der Versendung von E-Mails via SMTP aus. Sie nutzen Spam-Blacklisten, in denen Tor-Relays häufig als "potentiell mit Bots infiziert" ein­gestuft sind. Wenn der E-Mail Provider eine dieser DNSBL nutzt, sieht man als Anwender von Tor nur eine Fehlermeldung beim Senden von Mails. Nur wenige Provider geben in der Fehler­meldung den Hinweis "Seems you are spamming." Der Empfang funktioniert in der Regel.
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