Privacy-Handbuch

Mirror von awxcnx.de, Stand: 2013-05-13
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Dass die Verschlüsselung von Daten der Erhaltung einer Privatsphäre dient, bemerkt man spätestens, wenn ein USB-Stick verloren geht. Wird ein Laptop gestohlen, möchte man die private Fotosammlung sicher nicht im Internet sehen.

Investigative Journalisten, Rechtsanwälte und andere berufliche Geheimnisträger haben das Recht und die Pflicht, Informationen über ihrer Mandanten zu schützen. Sie sollten sich frühzeitig Gedanken über ein Konzept zur Verschlüsselung machen. Es ist wirklich ärgerlich, wenn die Rote Hilfe einen unverschlüsselten Datenträger mit Mitgliederdaten verliert. Das kann ernste Konsequenzen haben.

Diese Beispiele zeigen, dass unterschiedliche Anforderungen an eine Verschlüsselung bestehen können. Bevor man wild anfängt, alles irgendwie zu verschlüsseln, sollte man sich Gedanken über die Bedrohung machen, gegen die man sich schützen will:
  1. Schutz sensibler Daten wie z.B. Passwortlisten, Revocation Certificates o.ä. erfordert die Speicherung in einem Container oder verschlüsselten Archiv, welches auch im normalen Betrieb geschlossen ist.
  2. Schutz aller persönlichen Daten bei Verlust oder Diebstahl von Laptop oder USB-Stick erfordert eine Software, die transparent arbeitet ohne den Nutzer zu behindern und bei korrekter Anmeldung möglichst automatisch den Daten-Container öffnet.
  3. Backups auf externen Medien enthalten in der Regel die wichtigen privaten Daten und sollten ebenfalls verschlüsselt sein. Dabei sollte die Wiederherstellung auch bei totalem Datenverlust möglich sein. Es ist nicht sinnvoll, die Daten mit einem OpenPGP-Schlüssel zu chiffrieren oder Keyfiles zu verwenden, die nach einem Crash evtl. nicht mehr verfügbar sind.
  4. Wer eine Manipulation der Sytemdaten befürchtet, kann seinen Rechner komplett verschlüsseln. (Truecrypt ab Version 5.0 für WIN, DM-Crypt für Linux oder GELI für FreeBSD)

Konzepte der vorgestellten Tools

Eine passende Metapher für das Konzept der vorgestellten Tools (außer GnuPG) ist der Container. Ein Container steht rum und nimmt Platz weg, egal ob er leer oder voll ist. In diesem Fall belegt der Container Platz auf der Festplatte oder dem USB-Stick.

Ist der Container verschlossen, kommt niemand an die dort lagernden Daten heran. Mit einem Schlüssel kann der Container geöffnet werden (gemounted: in das Dateisystem eingefügt) und jeder, der an einem offenen Container vorbeikommt, hat Zugriff auf die dort lagernden Daten. Als Schlüssel dient eine Passphrase und/oder Schlüsseldatei(en).

Der Zugriff auf Dateien innerhalb des geöffneten Containers erfolgt mit den Standardfunktionen für das Öffnen, Schließen und Löschen von Dateien. Auch Verzeichnisse können angelegt bzw. gelöscht werden. Die Verschlüsselung erfolgt transparent ohne weiteres Zutun des Nutzers.

Ein Container schützt die Daten nur, wenn er geschlossen ist! Einerseits ist bei einem geöffneten Container natürlich ein direkter Zugriff auf die Daten möglich. Außerdem können bei einem geöffneten Container die kryptografischen Schlüssel aus dem RAM des Rechners ausgelesen und später zum Entschlüsseln der Daten genutzt werden. Elcomsoft bietet mit dem Forensic Disk Decryptor eine Tool für diesen Angriff auf Truecrypt, PGP und Bitlocker.

Mit doppeltem Boden

Ein Feature von Truecrypt ist das Konzept des "versteckten Volumes", eine Art doppelter Boden für den Container.

Der Zugriff auf diesen Bereich ist mit einem zweiten Schlüssel geschützt, einer weiteren Passphrase und/oder Schlüsseldatei(en). Öffnet man den Container mit dem ersten Schlüssel, erhält man Zugriff auf den äußeren Bereich. Verwendet man den zweiten Schlüssel zum Öffnen des Containers, erhält man Zugriff auf den versteckten Inhalt hinter dem doppelten Boden.

Während ein einfacher Container leicht als verschlüsselter Bereich erkennbar ist, kann der doppelte Boden innerhalb eines Containers ohne Kenntnis des zweiten Schlüssels nicht nachgewiesen werden. Ist man zur Herausgabe der Schlüssel gezwungen, kann man versuchen, nur den Schlüssel für den äußeren Container auszuhändigen und die Existenz des doppelten Bodens zu leugnen.

Ob es plausibel ist, die Existenz des doppelten Bodens zu leugnen, hängt von vielen Faktoren ab. Zeigt z.B. die Historie der göffneten Dokumente einer Textverarbeitung, dass vor kurzem auf einen verschlüsselten Bereich zugegriffen wurde, und man präsentiert einen äußeren Container, dessen letzte Änderung Monate zurück liegt, trifft man wahrscheinlich auf einen verärgerten Richter.

Auch der Index verschiedener Programme für die Indexierung der Dokumente auf dem lokalen Rechner (WINDOWS Suche, Google Desktop Search...) liefern möglicherweise Hinweise auf den versteckten Container.

Wie gulli.com berichtet, ist es unter Umständen möglich, die Existens des versteckten Volumes nachzuweisen. Also Vorsicht bei Nutzung dieses Features.
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